Ergebnisse der Vogelerfassungen

In allen drei Untersuchungsjahren wurden von April bis Juni die Brutvogelbestände auf den Maßnahmenflächen und den direkt angrenzenden Waldbeständen sowie den noch nicht eingeschlagenen Waldbereichen komplett erfasst. Hierzu wurden insgesamt sieben Begehungen je Fläche durchgeführt. Als Methodik wurde eine flächendeckende Revierkartierung in Anlehnung an Bibby et al. (1995) angewandt.

Eine Gesamtartenliste für die beiden ersten Jahre, aufgeschlüsselt nach den Teilgebieten, ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.


Tabelle: Nachgewiesene Brutvögel im Bereich der Modellflächen und deren unmittelbarer Umgebung für die Jahre 2008 und 2009. Die Summe der Brutvogelarten eines Jahres an einem Standort findet sich am Ende der Tabelle.

Art Nierenberg Wandelnsberg Selsberg Steinberg Ziegenberg Bielenberg-NO Bielenberg-Süd
08 09 08 09 08 09 08 09 08 09 08 09 08 09
Amsel x x x x x x x x x x x x x x
Baumpieper x
Blaumeise x x x x x x x x x x x x x
Buchfink x x x x x x x x x x x x x x
Dorngrasmücke x x
Eichelhäher x x x
Erlenzeisig x x
Feldschwirl x x
Feldsperling x
Fichtenkreuz-schnabel x
Fitis x x x x x x x
Gartenbaumläufer x
Gartengrasmücke x x x x
Gimpel x x x x x x x x x
Goldammer x x
Grauschnäpper x
Grauspecht x x
Grünfink x x
Grünspecht x x x
Haubenmeise x
Heckenbraunelle x x x x x x x x x x
Kernbeißer x
Klappergrasmücke x x
Kleiber x x x x x x
Kohlmeise x x x x x x x x x x x x
Mittelspecht x
Mönchsgrasmücke x x x x x x x x x x x x x
Rabenkrähe x
Ringeltaube x x x x x x x
Rotkehlchen x x x x x x x x x x x x x x
Schwanzmeise x
Singdrossel x x x x x x x x x x x x x
Star x x
Sumpfmeise x x x x x x x x x x x x
Tannenmeise x x x x x x x
Wacholderdrossel x
Waldlaubsänger x
Weidenmeise x x
Wintergoldhähnchen x x x x x x x x x
Zaunkönig x x x x x x x x x x x x x x
Zilpzalp x x x x x x x x x x x x x x
Summe Arten 18 18 20 20 14 15 20 19 10 17 13 20 12 12

Entwicklung Brutvogelbestände

Artenzahlen

Entwicklung der Zahl der Brutvogelarten

Entwicklung der Zahl der Brutvogelarten (Anzahl der Arten) auf den Probeflächen im Laufe der ersten drei Jahre (oben) und im Vergleich zu den jeweiligen Referenzflächen (Waldrand im Ausgangszustand, unten)

Entwicklung der Zahl der Brutpaare

Entwicklung der Zahl der Brutpaare (Abundanz) auf den Probeflächen im Laufe der ersten drei Jahre (oben) und im Vergleich zu den Referenzflächen (Waldrand vor Durchführung der Maßnahme, unten).

Die Entwicklung der Artenzahlen in den Jahren 2008 bis 2010 zeigt deutlich, dass auf allen Flächen mit Ausnahme vom Wandelnsberg die Zahl der Arten vom ersten zum dritten Jahr hin zugenommen hat. Allerdings ist das Ausmaß der Zunahme sehr unterschiedlich.

Betrachtet man die Flächen, aus denen Referenzdaten vom ursprünglichen Waldrand vorliegen, wird deutlich, dass der Einschlag und die Umgestaltung sich nicht unbedingt negativ auf die Artenzahlen auswirkt. Lediglich im ersten Jahr nach Durchführung der Maßnahme geht die Artenzahl deutlich zurück, erreicht aber meist im zweiten Jahr schon wieder ähnlich hohe Werte wie auf den Referenzflächen.

Abundanzen

Deutlichere Reaktionen auf die Eingriffe zeigen dagegen die zusammengefaßten Abundanzen aller Brutpaare. Ein Vergleich der Anzahl der Brutpaare auf den Referenzflächen (Waldrand vor Durchführung der Maßnahme) mit den Brutvogelbeständen im 1. und 2. Maßnahmenjahr führt vor Augen, wie gravierend sich der Eingriff zunächst auswirken kann – Bestandseinbrüche um 80 % und mehr sind z.B. am Bielenberg-Ost und Süd oder Selsberg zu verzeichnen. Auf den restlichen drei Maßnahmenflächen fällt der Rückgang der Brutvorkommen dagegen deutlich geringer aus.

Aber bereits im dritten Maßnahmenjahr haben die Abundanzen wieder deutlich zugenommen und erreichen auf einigen Flächen durchaus das Ausgangsniveau

Die unterschiedliche Entwicklung der Artenzahlen und der Abundanzen lassen sich wie folgt erklären: Mit Umgestaltung der Waldränder reduziert sich für die meisten ehemals vertretenen Vogelarten das Angebot an geeigneten Nistplätzen deutlich, zum Teil sogar dramatisch. Dies gilt besonders für das erste Jahr nach Durchführung der Maßnahme, denn nach dem Einschlag müssen sich die Gehölzbestände durch Stockausschläge bzw. Anpflanzungen erst wieder regenerieren. Im zweiten und dritten Jahr haben sich auf allen Flächen wieder hinreichend viele Bruthabitate ausgebildet, so dass die Anzahl der Brutvögel wieder zunimmt. Dies schlägt sich deutlich bei der Entwicklung der Brutvogelbestände (Abundanzen) nieder

Weniger deutliche Reaktionen zeigt die Anzahl der Brutvogelarten. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass aufgrund der mittelwaldrandähnlichen Gestaltung weiterhin ein recht gutes Strukturangebot (u.a. auch für Baumbrüter) auf den Flächen anzutreffen ist und dass in der Auswertung auch die Randbrüter aus den angrenzenden Beständen mit einbezogen wurden. Je größer die Fläche, desto größer ist natürlich auch das Angebot der verfügbaren Nieschen und somit auch die Anzahl der Arten. Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, dass Artenverluste kaum stattgefunden haben, sieht man vom Feldsperling und Grauschnäpper ab, die jeweils auf einer Referenzfläche mit ein bis zwei Brutpaaren vertreten waren und auf den Maßnahmenflächen nicht mehr angetroffen werden konnten. Andererseits sind auf den Maßnahmenflächen neue Arten hinzugekommen, z.B, Feldschwirl, Baumpieper, Neuntöter oder Gelbspötter.

Auswirkungen der Gestaltungsmaßnahmen auf die ökologischen Gilden

Auffällig ist, dass die Arten der Nadelgehölze stark rückläufig sind – eine Folge der gezielten Entnahme der nicht standortheimischen Nadelbäume.

Die Vogelarten mit Präferenz für lichte oder alte Wälder und dichte Gebüsche weisen auf den Maßnahmenflächen in den ersten zwei Jahren zunächst einen Rückgang auf, erreichen aber bereits im dritten Jahr wieder die Dichten der Ausgangsbestände. Dies ist eine Folge des schnellen Heranwachsens der Stockausschläge und natürlich des Belassens von alten Bäumen als Überhälter im Bestand.

Der Steinberg unterscheidet sich wiederum von den anderen Flächen, da dort die Vogelarten der lichten/alten Wälder keine Bestandseinbrüche aufweisen – ebenfalls eine Folge des dort praktizierten selektiven Einschlages unter Herausarbeitung der solitären Bäume.

Deutlich positive Auswirkungen hat die modellhafte Waldrandgestaltung für die Arten der halboffenen Landschaft. Die Abundanzen gegenüber den Ausgangsbeständen nehmen erwartungsgemäß zu. Unter diesen Arten finden sich auch eine Reihe von Vertretern, die auf den Roten Listen geführt werden (z.B. Neuntöter, Baumpieper oder Feldschwirl).

Der Rückgang der Baumbrüter und Höhlenbrüter auf den Maßnahmenflächen ist wohl eine direkte Folge der Entnahme der meisten Bäume. Im Gegensatz dazu nehmen die Gebüschbrüter auf den sonstigen Flächen deutlich zu, während die Bodenbrüter ebenfalls eine deutliche Abnahme der Dichten aufweisen. Letzteres dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich geeignete Habitatstrukturen (zumeist eine dichte grasige oder krautige Vegetation) noch nicht im ausreichenden Umfang eingestellt haben. Hier ist die weitere Entwicklung abzuwarten.

Deutlich wird, dass sowohl auf den Referenzflächen als auch auf den Maßnahmenflächen die Dominanzstrukturen relativ ausgeglichen sind – eudominante Arten (32-100 %) fehlen z.B. völlig. Unter den dominanten und subdominanten Arten finden sich die eher ubiquitären, weit verbreiten Arten, die im Wesentlichen auch auf den Maßnahmenflächen ihren dominierenden Status innerhalb der Vogelgemeinschaften beibehalten. Größere Veränderungen sind dagegen bei den rezendent und subrezendent auftretenden Arten feststellbar. Hier finden sich v.a. Arten der halboffenen Landschaften (z.B. Garten- oder Dorngrasmücke), die sich auf den Maßnahmenflächen erwartungsgemäß neu etablieren oder im Bestand zunehmen.


Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung
Online: http://www.waldrandgestaltung.de/ergebnisse/monitoring/voegel/index.php [Datum: 21.11.2018]
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