Erste Ergebnisse Vermarktung und positive Resonanz

Ansicht eines Waldrandes

Ansicht eines Waldrandes nach Entnahme von 1.000 Festmetern Dendromasse auf einem Kilometer Waldrand. Foto: H. Gockel

Zur Ermittlung der Erträge und Kosten wurden verschiedene Variationen der Waldrandgestaltung durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet:

  • Die Holzerntekosten lagen je nach Schwierigkeitsgrad zwischen 15 und 25 EUR pro fm
  • Die Nettoerlöse ergaben im Schnitt 30 EUR pro fm, was in etwa 15.000 EUR pro Kilometer entspricht. Übrigens beträgt die Gesamtwaldrandlänge in NRW nach der zweiten Bundeswaldinventur (2002/2003) 64.485 Kilometer.
  • Steigt der Anteil an Stammholz, so ist mit höheren Reinerträgen zu rechnen.
  • Die zu mobilisierende Holzmasse liegt im Schnitt bei 500 fm pro Kilometer, es sind aber auch 1.000 fm erreicht worden.

Die Versuchsflächen befinden sich zum größten Teil an Hängen mit einem mittleren Gefälle von 100%, so dass sowohl die entstehenden Kosten für die Holzernte als auch für die Pflanzung Extremwerte darstellen und natürlich bei günstigeren Ausgangsbedingungen geringer ausfallen dürften.

Die gesamte Dendromasse ist durch die Nutzung der Kronen zur Hackschnitzelgewinnung noch zu steigern. Parallel laufende Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die Wertschöpfung hierbei geringer ist, als bei der Industrie- oder Stückbrennholzverwertung.

Im Bereich der Stadt Beverungen wurden so im laufenden Projekt bisher auf insgesamt 3.088 km 1610 Festmeter Holz eingeschlagen und damit ein Nettoerlös von 35.337,- € erzielt.

Der Landesbetrieb WALD UND HOLZ NRW hat 2010 eine Arbeitsanweisung zur Verkehrssicherung herausgegeben. Es ergeben sich hierdurch wachsende Arbeits- und Kostenbelastung. Obwohl die entstehenden Kosten die erzielten Einnahmen im ersten Jahr deutlich übersteigen, kommt man bei einer langfristigeren Kalkulation, d.h. bei einem betrachteten Zeitraum von 25 Jahren, zu einem anderen Ergebnis. Durch die beschriebene Waldrandgestaltung ist gegenüber der herkömmlichen Vorgehensweise ein positives Ergebnis von ca. 1.000,-€ pro Jahr und km Waldrand für den FBB Beverungen zu realisieren.

Zum Vorgehen:

Vor dem Einschlag wurde auf allen Probeflächen baumartenweise eine sortimentsbezogene Preisermittlung durchgeführt. Diese Art der Preisfindung ist für beide Vertragspartner die reellste Form, da, wie die nachstehenden Bilder zeigen, stark qualitätsmindernde Merkmale wie Fäulen, häufig erst nach dem Fällen erkennbar werden. Die Risiken für den Unternehmer werden somit planbar, was letztlich auch für beide Seiten zu einer realistischen Preisfindung führt. Der Käufer kauft die Katze nicht im Sack und braucht kein Risiko einzuplanen.

Sicher weisen nicht alle Waldränder Strukturen auf, die die oben beschriebenen Gewinne erwarten lassen. Dennoch scheint es erstrebenswert, die Waldränder mittel- und langfristig in Richtung einer mittelwaldähnlichen Struktur zu entwickeln. Hierdurch wären nicht nur erhebliche Kosten für die Verkehrssicherheit einzusparen sondern gleichzeitig erhebliche Schäden durch umstürzende Bäume und Astabbrüche zu verhindern.

Rotfaule Fichten

Rotfaule Fichten

Rotfaule Fichten

Rotfaule Fichten

Industrieholzpolter

Industrieholzpolter

Faule Buche

Faule Buche (Fotos: Gockel)

Zusammenfassung:

  • Die Ausschreibung der Maßnahmen inklusive aller Begleitarbeiten sowie der Übernahme der Sicherungsarbeiten im Straßenbereich ist in jedem Fall anzuraten. Wichtig ist, dass die Vergabe an einen einzigen Unternehmer geschieht, um ihn in der Gesamtverantwortung zu haben.
  • Die Ausschreibung sollte nicht nach dem „Auf- dem- Stock-Verfahren“ sondern nach Sortimenten erfolgen.
  • Es sollten nur Unternehmen mit ausreichendem Maschinenpark eingesetzt werden, um eine nicht nur zügige, sondern auch fachgerechte Arbeit durchführen zu können.
  • Eine Pflanzung der Zielbaumarten in der vorgenommenen Weise von 5 Stck. pro Gruppe, aus denen letztlich einer herausgepflegt wird und in einem Abstand von ca. 12 Metern angelegt wird, scheint zuviel des Guten zu sein. Die Ausfälle sind so gering, dass maximal 3 Stck, vielleicht auch nur Einzelbäume ausreichen. Hierdurch können die Pflanzkosten pro km Waldrand inklusiv Pflanzung und Minigewächshülle zwischen 500,- und 800,-€ angesetzt werden.
  • Die Nettoerlöse im Versuchsbereich beliefen sich damit auf über 10.000,-€ pro km obwohl erhöhte Aufwendungen für naturschutzbedingte Räumarbeiten und Pflanzkosten angefallen sind, die mit 5.000,-€ angesetzt werden können. Die angefallenen Holzmassen liegen mit 500 Fm pro km ebenfalls im Rahmen vorgehender Werte.
  • Gute Hackschnitzel waldfrisch konnten in 2009 bzw. 2010 mit durchschnittlich 7,- Euro/ SRM plus MwSt. vermarktet werden, wo hingegen die schlechtesten Materialien aus dem Nadelholzbereich zum Teil nur mit 3,- Euro/ SRM einen Markt fanden.
  • Gegenüber der Betriebsanweisung für den Landeswald NRW, werden statt Kosten, Gewinne realisiert.

Weiterverarbeitung

Bei dem hier genannten Projekt der Waldrandgestaltung wurde intensiv versucht Material, Waldsäumen so aufzuarbeiten, dass dies möglichst hochwertig vermarktet werden kann.

Die Verwertung fand ausnahmslos in der thermischen Nutzung statt, die Aufarbeitung des Materials über einen „Jenz“ Trommelhacker. Dieser Hacker wurde mit unterschiedlichen Trommelsieben ausgestattet und betrieben. Die Logistik wurde über Containerfahrzeuge in Kipp- und Abschiebetechnik realisiert. Dies ermöglichte fließende Baustellenarbeit auch an befahrenen Straßen, sodass ein weiterer Verkehrsfluss stattfinden konnte. Die Sortierung der Inputmaterialien war sehr unterschiedlich.

Aufgrund der Auswertungen lassen sich spiegelbildlich unterschiedliche Holzarten wieder erkennen. Die Bandbreite reichte von reiner Buche, Laubmischgehölzen, Weichlaubgehölze bis hin zum Nadelholz, deren grünen Kronen verwertet werden mussten. Alle Materialien wurden geprobt.

Es wurde Feuchtebestimmungen auf Wassergehalt und Siebversuche gefahren. Da sehr starke Aushaltung im Holz betrieben wurde und zum Teil schwaches Brennholz vor der Nutzung als Hackschnitzel gezielt entzogen wurde, sind relativ kleine Mengen und besonders schlechte Menge an Grundmaterial zur Hackgutgewinnung übrig geblieben. Im Rahmen der Feuchtebestimmung lässt sich dieses sehr schön ableiten, indem man erkennen kann, dass Wassergehalte von 50 – 56 % an Rohmaterial dominierend waren. Diese Materialien setzen sich in erster Linie aus Nadelholz mit hohem Anteil an noch grünen Material bzw. Nadeln ab. Desto mehr Holzanteil in dem Rohmaterial enthalten ist, desto niedriger wurden die Wassergehalte. Im Mittelfeld dieser Beprobung sind Wassergehalte von 45 – 52 % in den Mischlaubholzartengemessen worden. Am Besten hat eine reine Buche aus Kronen (Buchenrestholz) abgeschnitten.

Analog dazu lassen sich natürlich auch die Siebversuche darstellen. Basierend auf der unterschiedlichen Qualität der Eingangsstoffe verändern sich die Aussiebungen bzw. deren Gewichts- und Volumenanteile deutlich. Der höchste Anteil der Aussiebung mit einer Korngröße von 0 – 10 mm entstand beim Nadelholz. Dort waren in diesem Aussiebungssegment vornehmlich die Nadeln anhaftende Erde bzw. feinste Rindenanteile wieder zu finden. Dieser Anteil des Materials kann teilweise bis an die 42 % des Gesamtvolumens einnehmen. Diese Aussiebung kann nicht vermarktet werden, sondern nur zu organischen Düngung, im Erdenwerk und/oder der Kompostierung zugeführt werden bzw. zurück in die Land- und Forstwirtschaft fließen. In den nachfolgenden Siebversuchen kristallisierte sich sehr stark die bessere Qualität heraus. Bei den Mischlaubhölzern und Weichlaubhölzern reduzierte sich der Aussiebungsanteil im Segment 0 – 10 auf 25 – 30 % und beinhaltet vornehmlich Grün- und Weichanteile, sowie feinste Rindenanteile. Das beste Ergebnis bei der Absiebung erzielten Hartlaubhölzer wie Buche oder Eiche, die die geringsten Anteile im Absiebungsegment von 0 – 10 mm von unter 10 % erreichten. Diese abgesiebten Materialien waren alle mit einem 60-iger Korb im Hacker gehackt. Der Feinanteil des Mischlaubholzes konnte in die Mulch, Rindenmulch, Gartengestaltungsmaterialien eingearbeitet und vermarktet werden. Die Feinstabsiebung im Bereich der Hartlaubhölzer konnten nach einer entsprechenden Trocknung noch energetisch verwertet werden. Dort sind diese Materialien vornehmlich bei kleineren Anlagen, die einblasen oder die Luft als Transportmedium verwenden eingesetzt worden. Auch dort spiegelt sich die Wertigkeit des Materials wider.

Kritisches und Ausblick

Als zwischenzeitliches Fazit während des laufenden Projektes muss deutlich herausgestellt werden, dass wir uns bei dem Waldrandprojekt in der Phase der erstmaligen Aufarbeitung eines Waldsaumes befinden. In den Waldrändern, die für dieses Projekt ausgewählt wurden, sind zum Teil mehr als 40 Jahre keinerlei Durchforstungs- oder Erntemaßnahmen umgesetzt worden. Das heißt wir lösen eine „Spardose“ Holzreserve auf. Zweitens ist jetzt schon in der ersten Phase des Projektes sehr deutlich geworden, dass einer intensivsten Betreuung des Bestandes und der Unternehmer, die diese Ernte bzw. Durchforstungsmaßnahme umsetzen, eine gewichtige Rolle zukommt. Der entscheidende Schlüssel zur Effizienz und zur wirtschaftlichen Umsetzung dieser Maßnahme sind handelnde Personen. Dabei ist besonders zu beachten mit welchem Grundsatz die Aufarbeitung bzw. Durchforstung, sowie die Nutzung der Materialien stattfindet.

Welche Holzarten und Qualitäten herrschen vor im laufenden Waldrandbestand und zu welchen Sortimenten kann man sie aufarbeiten, um den höchstmöglichen Markterlös zu erzielen. Der Holzmarkt hat einen Bedarf, den er formuliert. Wenn es gelingt Sortimente und Bedarf zu bedienen, werden deutlich höhere Marktwerte erzielt, als wenn wir standardisierte Sortimente ungeplant, unsortiert und einfach nur in den Markt hinein geben. Dies scheint eine der Kernaussagen für die erstmalige Aufarbeitung von Waldrand Maßnahmen zu sein.

In späteren Beerntungen (nach 10 – 20 Jahren) sind natürlich völlig andere Holzsortimente gewachsen (andere Stammdurchmesser Holzarten, etc.) die sich dann natürlich auch anders vermarkten lassen. Sodass die Ergebnisse aus dieser ersten Phase auf keinen Fall übertragbar auf weitere Beerntungen der gleichen Flächen in vielen Jahren ableiten lassen. Des Weiteren werden in vielen Maßnahmen an Waldrandgestaltung diesen extrem guten Erfolg nicht kopieren können, da solche individuellen Einzelmaßnahmen immer von vororttätigen Fachleuten abhängig sind. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und das Wissen um Vermarktungsmöglichkeiten (auch Sondersortimente) sowie die daran angepasste Aufarbeitungsverfahren im Bestand sind die entscheidenden Kriterien, die über Erfolg und Misserfolg sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht entscheiden.


Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung
Online: http://www.waldrandgestaltung.de/ergebnisse/vermarktung/index.php [Datum: 21.11.2018]
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