Erstinstandsetzung und Entwicklung

Das Modellprojekt erfordert als Initialmaßnahme die Erstinstandsetzung und Entwicklung der Waldränder:

In sieben ausgewählten, repräsentativen Beständen werden zunächst die Überhälter bzw. Zukunftsbäume festgelegt und die auf den Stock zu setzenden Gehölze ausgezeichnet.

In Abhängigkeit von der vorgefundenen Zusammensetzung der Baumschicht werden Pflegekonzepte zur Förderung der Zielbaumarten nach dem Ersteinschlag entwickelt. Insbesondere in den ersten Jahren, d.h. bis sich die Zielbaumarten in der gewünschten Zusammensetzung eingestellt haben, dürfte ein steuerndes Eingreifen notwendig sein. So könnte es beispielsweise notwendig werden, Eschenanflug oder Pappel-Wurzelbrut, sollten diese zu einer unerwünschten Beschattung führen, in angemessenem Umfang zu bekämpfen.

Effektive Verfahren zum erfolgreichen Einbringen fehlender Zielbaumarten werden entwickelt. Angedacht ist der Schutz der Jungpflanzen durch sog. „Tubex“-Röhren. Dieses Verfahren hat sich bereits vielfach bewährt und bietet den Vorteil, dass auf eine aufgrund des ungünstigen Flächenzuschnittes überproportional teure Gatterung der Bestände verzichtet werden kann. Zudem müssen deutlich weniger Pflanzen in die Fläche eingebracht werden, weil durch die Röhren eine deutlich höhere Anwuchsrate und ein besseres Höhenwachstum sichergestellt ist.

Die Entwicklung der Flächen wird nach der Erstinstandsetzung hinsichtlich der Gehölzzusammensetzung, der Krautschicht und der Zusammensetzungen der Zoozönose wissenschaftlich begleitend dokumentiert.

Konkrete Maßnahmen

Auf den Projektflächen wird der Bestockungsgrad der Waldränder bis in eine Tiefe von etwa 30 m - versuchsweise auch bis zu 50 m oder tiefer - in drei, auf insgesamt drei Jahre verteilten Abschnitten auf etwa 30 % abgesenkt.

Über die zeitliche Staffelung des Einschlages werden Schritte zur Optimierung der Vorgehensweise bereits innerhalb der Projektlaufzeit ermöglicht. Im Verlaufe der beiden nachfolgenden Einschlagperioden können dann evtl. modifizierte Vorgehensweisen nochmals überprüft werden.

Durch die Verteilung der Maßnahmen über mehrere Jahre können zudem Fehlinterpretationen vermieden werden, die sich beispielsweise aus extremen Wetterlagen (längere Hitzeperioden, untypisch strenge Winter) ergeben könnten.

Die insgesamt zu bearbeitende Fläche beläuft sich in allen Projektgebieten zusammengenommen auf ca. 20 ha. Insbesondere die Randbäume sollen bis auf einige wenige vollkronige standsichere Einzelstämme entnommen werden. Ausgewählte Exemplare der zu fördernden Zielarten bleiben als Überhälter und Samenbäume im aufgelichteten Streifen.
In den freigestellten Bereichen sollen sich krautige Pflanzen, Sträucher und konkurrenzschwache, lichtliebende Zielbaumarten durch Stockausschlag oder durch Naturverjüngung etablieren.

Auf Teilflächen, auf denen die Zielbaumarten nicht oder in zu geringer Anzahl vorkommen, erfolgt eine ergänzende Anpflanzung. Hierzu werden ausschließlich Pflanzen gebietsheimischer Herkunft verwendet.

Die Flächen werden nach dem erstmaligen Einschlag unterschiedlich behandelt: An jedem Standort werden auf der Hälfte der Flächen nach dem Vorbild der traditionellen Mittelwaldnutzung das gesamte Schnittgut (also auch der Kronenschnitt) wie auch die Sträucher im Unterwuchs entfernt; auf der anderen Hälfte wird das Material dagegen im Bestand belassen. So soll geklärt werden, ob eine evtl. positivere Entwicklung der Zielbaumarten und Begleitzönosen auf den traditionell behandelten Flächen aufgrund der geänderter Konkurrenzverhältnisse die ausgabenintensive Nacharbeit rechtfertigt oder ob das Belassen und unter Umständen auch Verteilen des Schlagabraums auf dem Waldboden mit den Zielsetzungen des Vorhabens ebenfalls vereinbar ist. Eventuell kann so möglichen Verhagerungsschäden und Bodenerosion vorgebeugt werden.

Im Verlauf des Vorhabens sollen wiederum auf einem Teil der Flächen unerwünschte Entwicklungen, wie z.B. die Etablierung ausgedehnter Schlagfluren oder das Ansamen schnellwüchsiger, konkurrenzstarker Baumarten wie Esche oder Berg-Ahorn, durch Pflegemaßnahmen unterbunden werden. Durch Vergleich der Entwicklungen auf den gepflegten und unbehandelten Flächen werden Aussagen möglich, ob die vermutlich besseren Ergebnisse auf den Pflegeflächen den höheren finanziellen Aufwand rechtfertigen.

Bereits innerhalb der Laufzeit des Modell- und Demonstrationsvorhabens von vier Jahren werden detaillierte Aussagen zur Entwicklung der Gehölzbestockung (Ausschlagverhalten der einzelnen Arten, Konkurrenz durch andere, schnell wachsende Gehölze oder Arten der Schlagfluren) getroffen. Auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Zielbaumarten bzw. zum zukünftigen Bestandsaufbau sind dann stimmige Prognosen möglich.


Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung
Online: http://www.waldrandgestaltung.de/projekt/erstinstandsetzung/index.php [Datum: 21.11.2018]
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