Niederwälder und Mittelwäldern als Elemente der traditionellen Kukturlandschaft

Das Modellvorhaben soll an Waldrändern eine Nutzungsform etablieren, welche an die vorwiegend historischen Wirtschaftsformen von Nieder- und Mittelwäldern erinnert:

Entstehung von Nieder- und Mittelwäldern

Nieder- und Mittelwälder sind traditionelle Nutzungsformen des Waldes, die heutzutage nur noch selten anzutreffen sind.

Der Baumbestand wird im Abstand von 15 - 40 Jahren abgeholzt und die Regeneration erfolgt über Stockausschläge - also Jungtriebe aus den verbliebenen Wurzelstöcken und Stümpfen. Während beim Niederwald der Baumbestand vollständig „auf den Stock“ gesetzt wird, lässt man beim Mittelwald einzelne Bäume als „Überhälter“ stehen - meistens Eichen.

Mittelwälder und Niederwälder stellten über Jahrhunderte die Brenn- und Bauholzversorgung sicher und waren bis in das 20. Jahrhundert hinein typisches Element der traditionellen Kulturlandschaft.

Biologische Merkmale von Nieder- und Mittelwäldern

Da nicht alle heimischen Baumarten in der Lage sind, sich durch Stockausschläge zu regenerieren, erfolgte eine Selektion hinsichtlich ausschlagkräftiger Gehölze wie Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus robur) oder Hainbuche (Carpinus betulus). Zurückgedrängt wurde die natürlicherweise in Mitteleuropa dominierende Buche.

Die Mittel- und Niederwaldwirtschaft führte somit zu einer Artenverschiebung in den Waldgesellschaften, welche v.a. Eichen, Hainbuche sowie in deren Gefolge auch seltenere Edellaubholzarten förderten.

Durch die im Vergleich zur Hochwaldnutzung wesentlich stärkere Belichtung des Waldbodens bildet sich darüber hinaus eine reiche Strauch- und Krautschicht aus, oft einhergehend mit heute seltenen Pflanzenarten.

Grundidee des Projektes ist, dass durch die mittelwaldähnliche Nutzung der Waldränder - ähnlich wie in Nieder- und Mittelwäldern - diese charakteristischen hochwertigen Artengemeinschaften gefördert werden.

Aktuelle Verbreitung

Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat die Bedeutung der Nieder- und Mittelwälder zur Brennholzgewinnung stark abgenommen, auch die Nutzung der Eichenrinde („Lohe“) zum Gerben von Leder kam sie durch Ersatzprodukte zum Erliegen. Also Folge sind Nieder- und Mittelwälder durch Nutzungsaufgabe zu Hochwäldern durchgewachsen mit einhergehender Veränderung der Baumartenzusammensetzung. Standorttypisch dominiert in Wäldern heute oft die Baumart Buche, welche auch durch die Ende des 20. Jahrhundert einsetzende naturnahe (Hoch-)Waldwirtschaft gefördert wurde.

Die Buche toleriert als Schattholz kaum andere Arten, was zur Folge hatte, dass lichtliebende Gehölze und Kräuter der Nieder- und Mittelwälder in ihren Beständen zurückgegangen sind. Als Folge der genannten Veränderungen werden auch typische Tierarten der Mittel- und Niederwälder seltener.

Das Modellprojekt soll dieser Entwicklung entgegen steuern, einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz [link] leisten und gleichzeitig zur Förderung des Energieträgers Holz beitragen.


Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung
Online: http://www.waldrandgestaltung.de/idee/mittelwaelder_und_niederwaelder/index.php [Datum: 21.11.2018]
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